Otfried Preußler – Krabat

Kurz vor Weihnachten 2017 habe ich mich wieder durch diverse Jahresrückblicke der Buchblogger gelesen. Die Lieblingsbücher des Jahres gleichen sich da sehr, da sich die meisten Blogger mit den Neuerscheinungen des aktuellen Jahres befassen. Bei einem Blog bin ich allerdings stutzig geworden, denn auf dessen Liste standen die Bücher „Krabat“ und „Momo“, die schon vor Jahrzehnten veröffentlicht wurden. Da ich beide noch nicht gelesen habe, wurden sie direkt im Doppelpack bestellt. Ein Blick ins Regal zeigte auch, dass sich dort noch weitere bisher ungelesene Jugend- und Kinderbuchklassiker tummeln. Schon war mein Plan für 2018 gestrickt. Neben dem Motto „I like big books“ werde ich mich in diesem Jahr mit den Kinder- und Jugendbuchklassikern beschäftigen. Ein Testlauf erfolgte zwischen den Feiertagen mit dem Buch „Eine „Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens. So ein Klassiker zeigt mir immer wieder, wie viele Motive wir in den Alltag übernommen haben, deren Quellen uns gar nicht bewusst sind. Besonders wenn man Shakespeare oder Goethe liest, fällt dies auf.

Zur Umsetzung meines Plans fällt meine erste Wahl auf einen alten Bekannten: Otfried Preußler. Seine kleine Hexe, das kleine Gespenst aber ganz besonders der kleine Wassermann und der unvergessene Räuber Hotzenplotz waren treue Begleiter meiner Kindheit. Sein gruseliges „Krabat“ kannte ich bisher nicht.

Worum geht es?
Krabat, ein vierzehnjähriger Waisenjunge, wird im Traum immer wieder zur Mühle in Schwarzkollm gelockt. Nach der dritten Aufforderung macht er sich schließlich auf und begibt sich beim dortigen Müller in die Lehre. Schnell merkt er, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Mühle handelt. Als einer von zwölf Müllersburschen wird er jeden Freitag in der Schwarzen Schule vom Meister in Zauberei unterrichtet. Immer zu Neumond kommt der „Gevatter“ und lässt des Nachts sonderbare Dinge mahlen. Und in der Silvesternacht kommt jeweils ein Müllersbursche unter mysteriösen Umständen zu Tode. Das weckt Krabats Neugier. Was steckt hinter diesen vermeintlichen Unfällen? Warum sind seine Kameraden so nervös und angespannt in der Silvesternacht? Handelt es sich gar nicht um Unfälle? Er geht dem Ganzen auf dem Grund und kommt letztlich hinter das Geheimnis. Nun lernt er voller Eifer in der Schwarzen Schule, um diesen mysteriösen Vorgängen ein Ende zu setzen und seine toten Freunde zu rächen. Dabei bekommt er ausgerechnet vom dümmlichen Küchenjungen Juro Hilfe.

Worum geht es wirklich?
Otfried Preußler verarbeitet in seinem Buch „Krabat“ die gleichnamige sorbische Sage, die seit Beginn des 19. Jahrhunderts in der Oberlausitz erzählt wird. Preußler weicht dabei in einigen Details von der Vorlage ab. So kommt Krabat nicht zufällig zur Mühle, sondern wird im Buch im Traum dorthin gelockt. Ebenso ist seine Rettung durch die Liebe eines jungen Mädchens, der Kantorka, eine Erfindung Preußlers. Durch das 1971 veröffentlichte Buch wurde diese regionale Sage deutschlandweit bekannt.

Das Buch umfasst drei Jahre. In jedem Jahr werden dieselben immer gleichen Rituale, die die Zauberlehrlinge durchführen müssen, wiederholt. In jedem Jahr lernt Krabat dazu, bis er letztlich das Geheimnis um die Mühle lüftet und einen Plan ausheckt, diesen grausamen Kreislauf endgültig zu durchbrechen. Auch wenn dies folgenreiche Konsequenzen für ihn und die anderen Müllersburschen haben wird.

Als Kind habe ich Märchen und Sagen geliebt. Besonders die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln. Denn der Hinweis, dass in jeder Sage ein Körnchen Wahrheit steckt, macht diese so aufregend gruselig. Es bleibt dieser kleine Rest kribbelnder Ungewissheit.
Mein erster Jugendbuchklassiker war gleich ein Erfolg. Jetzt habe ich Lust mehr Sagen zu lesen. Das Buch „Tyll“ von Daniel Kehlmann wird wohl relativ bald den Weg in mein Regal finden.

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Tom Rachman – Aufstieg und Fall großer Mächte

Rachman_Aufstieg und Fall großer MächteDieses Buch landete bereits vor ca. zwei Jahren auf meiner Wunschliste „Sachbücher“. Zu der Zeit schwärmten viele Leser und Blogger davon und der missverständliche Titel verleitete mich zu dieser Einordnung. Erst als ich mir das Buch nach Herausgabe der Taschenbuchversion bestellte, schaute ich es mir etwas genauer an. Klar hätte mir der Klappentext direkt meinen Irrtum verraten, aber zu Klappentexten habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits lese ich den Klappentext gerne, um ein Urteil für oder gegen den Kauf treffen zu können, andererseits hatte ich die schönsten Lesestunden mit Büchern, deren Inhalt ich mir vorher nicht so genau angeschaut habe. Zum Beispiel mit Harry Mulischs „Das Attentat“, Ian McEwans „Abbitte“ und jetzt auch Tom Rachmans „Aufstieg und Fall großer Mächte“. Oftmals verrät der kurze Text auf der Rückseite unnötig Details, noch häufiger allerdings ist der Inhalt einfach völlig falsch wiedergegeben oder er fokussiert auf eine Nebensächlichkeit. Ich überfliege diese daher nur, suche nach Schlagwörtern, will dabei nicht zu viel erfahren von der Welt dazwischen. „Tom Rachman – Aufstieg und Fall großer Mächte“ weiterlesen

Marie-Sabine Roger – Das Labyrinth der Wörter

das_labyrinth_der_woerter-9783423219006Germain ist Mitte 40, ein Hüne und nicht sehr intelligent. Er lebt in einem Wohnwagen im Garten seiner Mutter, kümmert sich um sein Gemüsebeet und verbringt seine ausreichende Freizeit gerne in Francines Kneipe, im Park oder mit Annette, die er vielleicht liebt. Wissen kann er das nicht, denn sowas wie Liebe hat er noch nie erfahren.

Eines Tages lernt er im Park die rüstige alte Dame Margueritte kennen, die dort, ebenso wie er selbst, die Tauben füttert, beobachtet und zählt. Viel mehr haben sie jedoch nicht gemeinsam. Dennoch freunden sie sich langsam aber sicher an und Margueritte führt Germain durch Vorlesen in die unermessliche Welt der Literatur ein. Sie liest ihm im Park vor, schenkt ihm ein Wörterbuch, bringt ihm das Alphabet und damit auch das Lesen richtig bei. „Marie-Sabine Roger – Das Labyrinth der Wörter“ weiterlesen

Gaito Gasdanow – Das Phantom des Alexander Wolf

„Von allen Erinnerungen, von all den unzähligen Empfindungen meines Lebens war die bedrückendste die Erinnerung an den einzigen Mord, den ich begangen habe.

das_phantom_des_alexander_wolfDiesen beging der Erzähler, ein ehemaliger Weißgardist im russischen Bürgerkrieg. Nie hat ihn diese Erinnerung an das Zusammentreffen mit dem Feind mit dem tragischen Ende losgelassen. Jetzt, Jahre später im Pariser Exil, liest er in einem Erzählband genau diese Episode seines Lebens im Detail. Wie kann das sein? Es gab damals keine Zeugen des Vorfalls. Die Geschichte kann nur vom vermeintlich Ermordeten stammen.

Mit allen Mitteln versucht er den Autor der Geschichte zu kontaktieren. Doch er stößt nur auf irritierendes Schweigen. Ein Treffen bleibt ihm versagt. Stattdessen trifft er bei einem Boxkampf, über welchen er als Journalist berichtet, auf die Russin Jelena und verliebt sich in sie. „Gaito Gasdanow – Das Phantom des Alexander Wolf“ weiterlesen