Maurer_Im Grab schaust du nach obenDieses Buch ist mein erster Gewinn eines Leseexemplars für eine Leserunde bei lovelybooks.de in diesem Jahr. Und es wird wohl auch mein Abschied vom Social Reading sein. Bei dieser Leserunde ist mir bewusst geworden, dass ich dieses Lesetempo, diesen Zwang zum Austausch und den vorgegebenen Lesezeitpunkten nicht mehr mitgehen möchte. Ich lese wieder die Bücher, auf die ich gerade Lust habe und kehre bei meiner Auswahl zurück zur Impulsentscheidung. Keine Leserunde, kein Verlag und kein Hype unter Buchbloggern soll mehr bestimmen, zu welchem Buch ich am Abend greife. Ich stelle mich wieder in meine gut gefüllte Bibliothek und greife mir das Buch heraus, auf welches ich gerade Lust habe, ob es jetzt ganz frisch bei mir eingezogen ist oder schon seit 20 Jahren dort wohnt.

Es ist schon einige Zeit her, dass ich den ersten Band der Alpenkrimireihe von Jörg Maurer gelesen und mich gut amüsiert habe. Der zweite Teil steht ebenfalls im Regal, allerdings bisher unberührt. Nun habe ich den neunten Band im Rahmen einer Leserunde gelesen und das so lustlos, unkonzentriert und gelangweilt, dass ich jetzt im Anschluss das Gefühl habe, dem Buch nicht gerecht worden zu sein. Es gab da aber nun mal diese Leserunde und durch den Gewinn habe ich mich ja zur zeitnahen Lektüre und Austausch mit den anderen Teilnehmern verpflichtet ⇒ Die Kehrseite der Medaille.

Schon im letzten Jahr bei der Leserunde zu „Die schwedischen Gummistiefel“ hat mir gar nicht gefallen, dass ich das Buch, was mir so gar nicht gefiel, aufgrund dieser Runde beenden musste. Unter anderen Umständen wäre es wohl direkt mit einem Lesezeichen für viele Jahre im Regal verschwunden. Doch nicht das Lesen eines ungeliebten Buches, sondern der Austausch mit anderen darüber fällt mir am schwersten. Wenn von 25 Teilnehmern 24 schreiben wie toll, super, genial, lustig sie den Leseabschnitt finden, ist das von einem echten Austausch weit entfernt. Da reizt es schon ungemein, einfach mal als Troll diese Kuscheltruppe aufzumischen. Der Aufwand ist dann doch zu hoch und so bleibt mir nur die Erinnerung an die Leserunde zu „Der Turm der Welt“ mit den regen Diskussionen, kritischen Stimmen und unterschiedlichen Meinungen. War wohl doch ein einmaliges Erlebnis.

Worum geht es jetzt aber in diesem Buch?
Der G7 Gipfel tagt auf Schloss Elmau. Jennerweins sonst so idyllischer Kurort platzt durch die Ansammlung von Staatsgästen, Sicherheitspersonal, Demonstranten und Touristen aus allen Nähten. Die Polizei hat alle Hände voll zu tun. Im Camp der Demonstranten tummeln sich neben den G7 Gegnern auch Geheimdienstmitarbeiter, Verfassungsschützer, Auftragskiller und Neugierige. So fallen ein verschwundener einsamer Demonstrant und das tragische Schicksal eines Kollegen im Trubel erst gar nicht auf. Doch ein unbestimmtes Detail an dieser Geschichte stört Jennerwein und er nimmt die Ermittlungen auf.

Worum geht es wirklich?
Es geht um Jörg Maurers Humor und seine grenzenlose Fantasie. Er hat in den neun Bänden ein ganzes Portfolio an skurrilen Protagonisten erfunden, die seine Fans lieb gewonnen haben. Krimireihe kann man dabei eigentlich gar nicht sagen. Die Aufklärung eines Verbrechens steht nämlich im Hintergrund. Maurer steckt seine ganze Energie in die Entwicklung seiner Hauptfiguren und die Erfindung abstruser Nebenschauplätze. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist die Mafia und das Bestatterehepaar Grasegger a. D. Da wird einfach eine Bloggerin in die Geschichte eingeflochten, die sich als Auftragskillerin entpuppt und für einen lustigen Zwischenfall sorgt, nur um anschließend nicht mehr erwähnenswert zu sein. Alles für den Humor, alles für die Groteske. Herrlich auch, wie Maurer einfach die Biografie Mozarts neu erfindet. Und noch herrlicher, dass er damit einige Leser an die Googlemaschine treibt, nur um enttäuscht festzustellen, dass dieses Detail frei erfunden war. Googeln kann man bei Kluftinger. Jennerwein ist Satire, ist Parodie.

Maurers Figuren haben das Zeug Kult zu werden, sind es vielleicht sogar schon. Ich werde mit der Reihe daher noch einmal von vorne beginnen und hoffe, dass ich mich beim zweiten Versuch befreit amüsieren kann. Kein Zwang mehr beim Lesen, nur noch Genuss.

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