Ich gebe zu, nach dem Prolog und der ersten Erwähnung der geheimnisvollen Lanze des Longinus habe ich die Augen verdreht. Was für eine schlechte Erfindung. Doch kurz bei Google vorbeigeschaut musste ich überrascht feststellen, dass es die Lanze wirklich gibt und diese im Mittelalter eine begehrte Reliquie war. Na gut, lesen wir mal weiter.

Worum geht es?
Die ca. 16jährige Leibeigene Hanna wird auf die Montfort Burg gebracht, um dort als Waschmagd zu arbeiten. Da ihr Gesicht durch die Pocken entstellt ist und sie zudem noch seit einem Unfall einen lahmen Fuß hat, ist sie eine Außenseiterin mit nur wenig Anschluss. Die besonders unbeliebten Aufgaben wie zum Beispiel das Schrubben der Böden, bleibt häufig ihr überlassen. Eines Tages trifft sie dabei in einer winzigen zugigen Dachkammer auf einen kleinen entführten Jungen, der fiebert und seinem Schicksal überlassen wurde. Fortan kümmert sie sich in jeder freien Minute um ihn. Um dem Kleinen das Leben zu retten, beschließt sie die gemeinsame Flucht mitten im Winter. Woher der Junge kommt oder wer er ist, weiß sie nicht. Ihr Weg führt sie über ihr Heimatdorf zum Knochenhauer von Puges bis auf die Burg Hohensax. Immer wieder müssen sie Hals über Kopf weiterziehen, da der Graf der Montfort Burg fieberhaft nach ihnen suchen lässt. Hanna lässt den Jungen kurzerhand beim Knochenhauer und seiner Familie und bietet ihre Dienste als Magd auf der Hohensax an. Erst dort sieht sie auf einem Gemälde, wessen junges Leben sie da gerettet hat: Es ist Brancho, der Erstgeborene des Freiherrn zu Hohensax und seiner Gemahlin Katharina von Frauenberg. Und ihr einziger Erbe, entführt von den Widersachern seines Vaters: dem Grafen der Schattenburg und seinem Bruder, dem Bischof von Curia.

Sowohl die Entführer als auch die Vasallen seines Vaters durchsuchen die ganze Gegend nach dem Jungen. Freiherr Ulrich selber konzentriert sich dagegen mehr darauf, seinen Freiherrentitel wieder zu erlangen. Hier kommt die Lanze des Longinus ins Spiel, die in seinem Besitz ist und die er König Ludwig von Bayern zusammen mit seiner Unterstützung im Kampf um den Thron anbietet. Im Gegenzug verlangt er seinen Titel offiziell zurück.

Hanna sitzt auf der Burg in der Falle. Sie kann Brancho nicht einfach seinen Eltern übergeben und die wahren Entführer beim Namen nennen. Niemand würde einer einfachen Magd glauben. Durch eine Unachtsamkeit wird ihr Geheimnis gelüftet, Hanna gelingt erneut die Flucht. Doch nach kurzer Zeit wird sie zusammen mit Brancho aufgegriffen und vom Freiherrn kurzerhand der Kindesentführung und Hexerei beschuldigt. Jetzt kann ihr nur noch ihr einziger Vertrauter Pater Berenga helfen, der die wahre Geschichte kennt.

Die Geschichte von der Magd Hanna spielt im Jahr 1322, im Spätmittelalter. Die Reformation hat noch nicht stattgefunden, von der Aufklärung sind wir noch weit entfernt. Die einfachen Menschen sind Bauern, Handwerker, Leibeigene. Immer der Willkür ihrer adeligen Herren ausgesetzt. Klimatisch befindet sich Europa in einer kleinen Eiszeit. Verheerende Hungersnöte durch Unwetter oder Missernten hervorgerufen, halbieren die Bevölkerung. Und die Pest hatte da noch nicht ihre Finger im Spiel.

Der Roman über die Magd Hanna liest sich flüssig und ist auch ganz unterhaltsam. Das Buch hat seine Längen im mittleren Teil, wogegen die letzen beiden Kapitel viel zu vollgepackt sind mit sich überschlagenden Ereignissen. Das las sich nicht gut. Alles wird so schnell abgewickelt, dass die Logik der Reaktionen der Hauptfiguren auf der Strecke blieb.

Desweiteren muss ich die historische Genauigkeit einerseits loben, andererseits aber auch kritisieren. Die im Buch genannten Grafen, Freiherren, Bischöfe und Äbte haben zu der Zeit wirklich im Drei-Länder-Eck gewirkt. Die Namen sind real. Ihre Geschichte wohl eher nicht. Für Hexenprozesse ist es dagegen noch knappe 100 Jahre zu früh. Auch der Schwarze Tod, der zunächst für Hannas hohes Fieber verantwortlich gemacht wird, war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt. Er wütete erst knappe 30 Jahre später durch Europa.

Sprachlich ist das Buch ebenfalls kein Glanzstück. Die Hauptfiguren werden sehr eindimensional gezeichnet, ihnen fehlt die Tiefe und die Autorin bemüht leider immer wieder die selben Sprachbilder.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Buch leicht zu lesen und eine kurzweilige Unterhaltung ist. Es wird seine begeisterten Leser finden. Ein Juwel des Genres „Historischer Roman“ ist es allerdings nicht.

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