Sayers_Diskrete zeugenMit dem zweiten Band hat sich Lord Peter Wimsey endgültig in mein Krimiherz ermittelt. Die Geschichte ist spannend, weist immer wieder überraschende aber logische Wendungen auf und vergrätzt die Leser nicht mit unnötigen blutigen Details.

Worum geht es?
Nach seinem letzten Fall reist Lord Peter zusammen mit seinem Butler Bunter rastlos durch Europa und genießt das Leben. Hals über Kopf kehrt er allerdings nach England zurück, als sein Bruder Gerald, Herzog von Denver, des Mordes verdächtigt wird. Der befindet sich gerade mit einigen Gästen auf seinem Landsitz, als er eines Nachts den Verlobten seiner Schwester tot vor dem Wintergarten auffindet. Da es für einen vorangegangenen heftigen Streit der beiden viele Zeugen gibt und Gerald partout kein Alibi liefern möchte, bleibt kein Zweifel daran, dass er wohl seinen zukünftigen Schwager erschossen hat. Doch Lord Peter ist von der Unschuld seines Bruders überzeugt und will dieses mit aller Macht beweisen. Die größte Herausforderung scheint dabei die Diskretion der Zeugen und des Verdächtigen selbst zu sein. Niemand gibt Informationen preis, nach denen er nicht explizit gefragt wird. Keiner der Gäste gibt sich Spekulationen zum Hergang hin. Selbst Lady Mary, Lord Peters Schwester, bleibt vehement bei ihrer Version der Ereignisse, auch wenn diese offensichtlich erfunden ist und ihren Bruder schwer belastet. Der Beschuldigte selbst verweigert konsequent die Aussage, warum er in der Tatnacht zu so später Stunde und bei ungemütlichem Wetter noch auf dem Gelände des Landsitzes unterwegs war. Niemand möchte sein Gesicht verlieren oder unschuldige Dritte mit hineinziehen. Auch Lord Peters angebotene Hilfe, die Wahrheit herauszufinden und die Unschuld seines Bruders zu beweisen, wird nicht mit der erwarteten Dankbarkeit angenommen. Lord Peter muss mühselig den Kern der Wahrheit aus den ganzen Geschichten herausschälen.

Dorothy L. Sayers erlaubt dem Leser einen guten Einblick in die Gesellschaft der Lords und Ladys. Es ist erstaunlich, dass der Herzog von Denver sich lieber für einen Mord bestrafen lässt, als mit der Wahrheit den guten Ruf einer Dame zu schädigen. In dieser Welt gilt noch das Ehrenwort, hier kann man durch einen Fehltritt jegliches gesellschaftliche Ansehen verlieren. Den unbescholtenen Ruf gilt es mit allen Mitteln zu schützen. Dabei war es sehr interessant zu erfahren, dass Adelige nicht vor ein bürgerliches Gericht gestellt, sondern durch Standesgenossen verurteilt werden. Das muss ich mir noch einmal genauer anschauen…

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