Rachman_Aufstieg und Fall großer MächteDieses Buch landete bereits vor ca. zwei Jahren auf meiner Wunschliste „Sachbücher“. Zu der Zeit schwärmten viele Leser und Blogger davon und der missverständliche Titel verleitete mich zu dieser Einordnung. Erst als ich mir das Buch nach Herausgabe der Taschenbuchversion bestellte, schaute ich es mir etwas genauer an. Klar hätte mir der Klappentext direkt meinen Irrtum verraten, aber zu Klappentexten habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits lese ich den Klappentext gerne, um ein Urteil für oder gegen den Kauf treffen zu können, andererseits hatte ich die schönsten Lesestunden mit Büchern, deren Inhalt ich mir vorher nicht so genau angeschaut habe. Zum Beispiel mit Harry Mulischs „Das Attentat“, Ian McEwans „Abbitte“ und jetzt auch Tom Rachmans „Aufstieg und Fall großer Mächte“. Oftmals verrät der kurze Text auf der Rückseite unnötig Details, noch häufiger allerdings ist der Inhalt einfach völlig falsch wiedergegeben oder er fokussiert auf eine Nebensächlichkeit. Ich überfliege diese daher nur, suche nach Schlagwörtern, will dabei nicht zu viel erfahren von der Welt dazwischen.Einen guten Klappentext zu schreiben, der Lust auf das Buch macht, den Inhalt richtig zusammenfasst und dabei nicht Entscheidendes verrät, ist eine hohe Kunst, die nur wenige beherrschen.

Worum geht es?
Tooly Zylberberg ist Inhaberin einer kleinen Buchhandlung in Wales. Sie liebt ihre Bücher, eine schöne Tasse Tee und lange Wanderungen durch die Hügellandschaft. Ihr einziger sozialer Kontakt ist ihr Mitarbeiter Fogg, jung, verzweifelt, trägt die Last der Welt auf seinen Schultern. Eines Tages bekommt Tooly eine E-Mail aus ihrer Vergangenheit, von einem längst verlassenen Liebhaber, die sie zurück in ihre Heimat USA beordert und droht, ihre sorgfältig unter Verschluss gehaltene Vergangenheit ans Licht zu bringen.
Ihre Kindheit und Jugend hat Tooly auf Reisen verbracht. In keiner Stadt, in keinem Land war sie länger als ein Jahr. Immer dabei waren Sarah, auf die sich niemand verlassen kann, Venn, ihr Mentor und Humphrey Ostropoler, der intellektuelle Wahlrusse, ihr Ruhepol, ihre Heimat. Ein aufregendes Leben für ein kleines Mädchen, doch auch ein unsicheres. Mit 21 Jahren löst sich Tooly von dieser wild zusammengewürfelten Truppe und reist auf eigene Faust weiter. Immer auf der Suche nach ihrem Platz in dieser Welt. Mit Anfang 30 landet sie schließlich in Wales in diesem kleinen Buchladen, der kaum Gewinn abwirft. Nun wird sie gezwungen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und muss dabei erkennen, dass sich die Wahrheit wenig mit ihren Erinnerungen deckt.

Worum geht es wirklich?
Es geht um die Macht der Manipulation und die trügerische Erinnerung. Können wir unseren Erinnerungen wirklich vertrauen?
Die Geschichte von Tooly Zylberberg wird in drei Erzählsträngen in unterschiedlichen Jahren wiedergegeben. Der erste Strang handelt im Jahr 1988, Tooly ist ca. zehn Jahre alt und ihr Nomadenleben beginnt gerade. Der zweite Strang spielt im Jahr 1999/2000, Tooly wird gerade 21 Jahre alt. Nach einigen Vorkommnissen entscheidet sie sich, ihre Reisegruppe zu verlassen. Der dritte Erzählstrang spielt im Hier und Jetzt und zeigt Tooly bei der langsamen Rekonstruktion ihrer bewegten Vergangenheit.
Eine traurige aber auch komische Geschichte, mit toll entwickelten Charakteren, die man einfach ins Herz schließen muss. Den Klappentext sollte man vorher aber weglassen, das steigert das Lesevergnügen. Denn darin werden zwei wichtige Details verraten, die man auch im Buch besser selbst herausfinden kann.

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