Als Henning Mankell im Oktober 2015 verstarb, musste ich daran denken, dass ich viel zu wenig Bücher von ihm gelesen habe. Dabei gefielen mir die Wallander-Krimis ganz gut. Zu einer Sammlung kam es aber nie. Fast ein Jahr nach seinem Tod erschien sein letztes Buch. Ein Wiedersehen mit Fredrik Welin aus dem Roman „Die italienischen Schuhe“, den ich allerdings nicht gelesen habe. Dennoch bewarb ich mich für die Leserunde bei lovelybooks.de und hatte Glück.

Worum geht es?
Fredrik Welin wohnt im Alter allein und zurückgezogen auf einer Schäre im Haus seiner Großeltern, das er geerbt hat. Nur wenige Menschen stehen ihm nahe. Eines Nachts entkommt er nur knapp aus seinem lichterloh brennenden Haus. Ihm bleiben ein alter Wohnwagen, ein Zelt, sein Boot und ein paar ungleiche Gummistiefel. Er steht nun vor der Frage, ob er mit 70 Jahren noch einmal von vorne anfangen und das Haus wieder aufbauen möchte oder seine Zeit im Schärengarten nun vorbei ist. Dabei muss er gegen den Verdacht der Polizei ankämpfen, er habe den Brand selbst gelegt. Als ihn seine schwangere Tochter, die in Paris lebt, um Hilfe bittet, zögert er nicht und nimmt die Fluchtmöglichkeit dankbar an. Dort erfährt er von einem weiteren Brand im Schärengarten. Was geschieht dort?

Worum geht es wirklich?
Es geht um einen alten Mann und das Altern, um seine seltsamen zwischenmenschlichen Beziehungen und immer wieder über die Schönheit des schwedischen Schärengartens.

Dieses Buch ist mir unglaublich schwer gefallen. Ich habe dafür über vier Monate, mit langen Lesepausen, gebraucht. Fredrik Welin ist kein Protagonist, den man ins Herz schließt. Im Gegenteil. Seine ständige Schroffheit gegenüber den wenigen Menschen, die sich um ihn kümmern, stößt ab. Seine Beziehung zu seiner Tochter Louise, die er erst im Erwachsenenalter kennenlernte, und zu der Journalistin Lisa Modin, sind verstörend. Seine Reaktionen und sein Handeln ist einfach nicht nachvollziehbar. Nicht auf eine schrullige Alte-Männer-Weise, sondern auf unsympathische Art. Doch das große Manko dieses Buches ist es, dass auch keine andere Person in diesem Buch das Herz des Lesers erobern kann. Louise, die biestige Tochter, ist nur nervig mit ihrer unberechenbaren Art. Lisa Modin hält Welin auf Abstand, sucht aber immer wieder seine Nähe, nur um ihm dann erneut klar eine Grenze zu zeigen. Jansson, der pensionierte Postbote, hat noch am ehesten die Chance auf Sympathien, doch er kommt selbst kaum zu Wort und lässt sich schlecht behandeln. Man möchte manchmal eingreifen und alle in ihre Leben, ihre Häuser schicken mit der Bitte, sich nicht mehr beieinander zu melden. Es war eine Quälerei, aber ich habe es nicht aufgegeben. Jetzt ist es geschafft. Haken dran, nächstes.

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Ein Kommentar zu „Henning Mankell – Die schwedischen Gummistiefel

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