Ezio Ortolani flieht. Er flieht vor der Frau, die ihm das Herz gebrochen hat. Er flieht aus dem süditalienischen Leece bis hoch in den Norden Italiens: nach Bozen in Südtirol. Das war im Oktober 1945. Heute 60 Jahre später, erhält er einen Brief, der ihn in genau dieses Jahr zurückholt. In den Juli 1945, „knapp drei Tage nach der Befreiung Italiens und zwölf Monate vor Erfindung des Bikinis“.

Ezio und sein jüngerer Bruder wanderten jeden Tag die acht Kilometer bis zum Strand, verbringen dort den Tag und beobachten die unterschiedlichsten Frauen in den immer gleichen unförmigen Badeanzügen. Doch plötzlich ist da sie, Giovanna Belucchi, 20 Jahr alt, in einem zweiteiligen Badeanzug, der den Blick auf ihren Bauch freigibt. Ezio verliebt sich Hals über Kopf, schafft es sogar sie anzusprechen und sie verbringen den ganzen Sommer zusammen am Meer, im Meer, zwischen den Dünen. Hauptsache zusammen. Als die Tage kürzer und das Meer kühler werden, ihre gemeinsame Zeit endet, stellt Ezio Giovanna die entscheidende Frage. Doch statt eine Antwort zu geben, lässt sie ihn stehen und stürzt sich ins Meer. Er erkennt, dass diese bedingungslose Liebe nur seinerseits bestand und flieht, flieht in den Norden, blickt nicht zurück. Doch er muss feststellen, dass man vor der Erinnerung nicht fliehen kann. 60 Jahre später, ein ganzes Leben später, erhält er endlich eine Antwort von Giovanna. Ist es nun zu spät?

Fazit:
In diesem Jahr sind Flandern und die Niederlande Gastländer der Frankfurter Buchmesse. Auch wenn ich leider nicht dabei sein kann, muss es doch zumindest ein Autor dieser Länder auf meine „Gelesen“-Liste schaffen. Da trifft es sich doch hervorragend, dass Ernest van der Kwast in diese Kategorie fällt und dabei noch ein kleines Büchlein geschrieben hat, auf dessen Taschenbuchausgabe ich nun seit einem Jahr sehnsüchtig gewartet habe. Und dann kommt es auch noch so kurz vor meinem Sommerurlaub heraus. Zu meinem Glück gibt auch der Sommer nochmal richtig Gas. Wann passt dieses Buch „Fünf Viertelstunden bis zum Meer“ besser, als bei tropischen Temperaturen, strahlendem Sonnenschein und den Füßen im kalten Fußbad. Nur direkt am Meer wäre noch besser…
Eine mit 96 Seiten kurze, dafür aber umso intensivere Liebesgeschichte. Der Autor bringt es durch seinen Erzählstil fertig, dass man die salzige Meeresluft schmecken, die duftenden Apfelbäume riechen und den Liebeskummer fühlen kann. Ein kleiner Sommerschatz. „Die Eismacher“ muss dann wohl auch noch her.

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