Paris, Oktober 1889: die Exposition universelle steht kurz vor ihrem Abschluss. Diese soll mit einem letzten Feuerwerk und der Präsentation einer spektakulären Erfindung des kürzlich verstorbenen Erfinders Berneau gefeiert werden. Auf der Abschlussfeier werden Vertreter aller europäischen Mächte anwesend sein. Bei der aktuell gespannten politischen Lage ist das ein Pulverfass. Ein Funke genügt und der Weltenbrand könnte entflammt werden. Da heißt es Ruhe bewahren und Konflikte vermeiden. Doch das scheinen nicht alle Vertreter so zu sehen.

Friedrich von Straten, ein deutscher Offizier, tätig für den Geheimdienst, beispielsweise kommt mit einer ganz anderen Mission in die Stadt der Lichter. Es scheint sich dann aber nur darum zu drehen, wer er eigentlich wirklich ist.
Das Deuxième Bureau ist derweil einem Täter auf der Spur, der offenbar einen großen Anschlag plant. Doch in welchen Reihen müssen sie nach ihm suchen? Welches Ziel verfolgt er?
Oder Basil Algernon Fitz-Edwards, dem Leser ja schon bekannt ist aus „Welt in Flammen“. Eigentlich in Paris als Begleitung und Aufpasser für Albert-Victor, Duke of Avondale, der Sohn des britischen Thronfolgers. Schnell findet er sich aber mitten in der Jagd auf den vermeintlichen Attentäter wieder.
Zu erwähnen sind da ebenfalls noch die Vicomtesse Albertine de Rocquefort, die Königin der Pariser Salons, und Madeleine Royal, die Königin der Edel-Kurtisanen vom Montmarte. Die Vicomtesse hat ein Geheimnis zu hüten, die Kurtisane ihr Leben. Wie passen diese beiden so gegensätzlichen Frauen in die Geschichte?

Etwas seltsames geht vor in Paris. Wer wird zuerst hinter diese Machenschaften kommen? Und in wessen Interesse steht es eigentlich, eine Katastrophe zu verhindern?

Fazit:
Vor nur wenigen Wochen habe ich Monferats ersten Band „Welt in Flammen“ beendet, auf dessen Taschenbuchausgabe ich sehnlichst gewartet habe. Durch einen Tipp des Autors selbst bin ich vor gut zwei Wochen auf die Leserunde bei lovelybooks.de zu nachfolgenden Band aufmerksam geworden. Mein Glück versucht und prompt Glück gehabt. Nun liegt mir dieser Roman sogar im heißgeliebten Hardcover vor. Zu lesen begonnen habe direkt nach Erhalt, sowohl mit Vorfreude („Welt in Flammen“ hat mir gut gefallen), als auch mit Skepsis. Kann der Autor halten, was er mit Band eins verspricht? Mich hat auch weniger das Thema Weltausstellung 1889 interessiert, als vielmehr das Wörtchen „Geheimdienst“. Ich lese gerne von Geheimdiensten, die faszinieren mich. Selber möchte ich aber lieber keine Bekanntschaft mit ihnen machen. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich mich bisher nur mit den Geheimdiensten des 20. Jahrhunderts beschäftigt habe: KGB, Mossad, FBI…

Von der Arbeit der Geheimdienste Ende des 19. Jahrhunderts erfährt man in diesem Roman zugegeben doch nicht viel. Ihre Vertreter werden eher mit einem Augenzwinkern dargestellt. Da verfolgt der Brite den Franzosen, der wiederum dem Deutschen auf den Fersen ist. Die Geschichte lebt vielmehr von ihrer großen Anzahl an Hauptdarstellern, die auf den ersten Blick nichts gemein haben, auf den zweiten oder dritten allerdings vielfach schicksalhaft miteinander verbunden sind. Und so gilt es in den ersten zwei Dritteln des Romans alle Knoten zu entdecken, um diese im letzten Drittel nach und nach zu entknoten. Der Leser darf dabei kräftig miträtseln, denn schließlich gilt es, den Drahtzieher der ganzen Sache ausfindig zu machen. Zwischendurch hatte ich zugegeben zwar Zweifel, ob auch alle Erzählstränge zufriedenstellend entwirrt werden können, doch der Autor hat es geschafft, ein völlig überraschendes, zufriedenstellendes und schlüssiges Ende zu finden. Es hat sehr viel Spaß gemacht ihm bei der Entknotung zuzuschauen.

Jedes Buch, das mir gefällt, erwirbt dieses Wohlwollen in der Regel durch ein Detail, welches nachhaltig bei mir haften bleibt oder einen Impuls den es mir gibt, um  mich näher mit einem bestimmten Thema zu beschäftigen. Neben den vielen interessanten historischen Details wird mir von diesem Buch eines ganz besonders in Erinnerung bleiben: die Nachbemerkung mit Dank.
Hier liest man eine der wenigen Danksagungen, die über das übliche „Ich grüße den und den…“ hinausgeht. Hier findet man ein Statement. Und das wird mein Lieblingszitat des Buchs:

„Ihr – werdet – nicht – gewinnen!“

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Ein Kommentar zu „Benjamin Monferat – Der Turm der Welt

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