welt in flammen25. Mai 1940: Der legendäre Orientexpress macht sich unwissentlich bereit für seine letzte Fahrt quer durch Europa bis nach Istanbul.

Die Deutschen stehen vor Paris und Frankreich kurz vor der Kapitulation, Europa steht in Flammen. Hitlers Plan: Die Franzosen sollen ihre Kapitulation im „Wagon de l’Armistice“ unterzeichnen. Das ist der Wagon, in dem die Deutschen am Ende des Ersten Weltkriegs ihre Niederlage besiegelten. Der französische Geheimdienst setzt daher alles daran, dass dieser Wagen den Deutschen nicht in die Hände fällt. Der Wagon wird getarnt dem Orientexpress angehängt und auf diesem Wege außer Landes geschafft. Doch die Reise führt quer durch Europa und somit auch durch die Länder, die sich dem faschistischen Deutschland bereits angeschlossen haben: Italien, Jugoslawien, Bulgarien. Erschwerend hinzu kommt, dass sich auf dieser letzten Fahrt durch das hochexplosive Europa die Vertreter der Geheimdienste nahezu aller kriegsführenden Mächte mit den unterschiedlichsten Intentionen im Zug befinden.

  • Carol von Carpathien, der aus dem Exil in Frankreich in seine Heimat zurückkehren will, um den Thron wieder zu besteigen.
  • Großfürst Constantin Alexandrowitsch Romanow, einer der wenigen Überlebenden der Zarenfamilie, der zusammen mit seiner Familie den König von Carpathien in seinem Vorhaben unterstützt, um selbst in seiner Heimat Russland wieder an die Macht zu kommen.
  • Boris Petrowitsch Kadynow, der die Pläne des Großfürsten vereiteln soll, russischer Geheimdienst.
  • Paul und Vera Richards, amerikanische Unternehmer auf Hochzeitsreise.
  • Ingolf Helmbrecht, deutscher Widerstand.

Und so wird schnell klar, dass die Gefahr für die Reisenden weniger von Außen als vielmehr von den Mitreisenden selbst ausgeht…

Fazit:
Eine abenteuerliche Reise quer durch das Europa vor dem Weltenbrand. An dem Buch hat mich zunächst die historische Einordnung interessiert. Über Deutschland und Europa im Zweiten Weltkrieg habe ich bereits zahlreiche Romane gelesen. Der Orientexpress und seine letzte Fahrt kamen dabei jedoch nie vor. Den hatte ich in einen viel früheren Zeitraum eingeordnet. Bisher habe ich zu dieser Legende auch noch nichts gelesen, nicht mal den berühmten Kriminalroman um Hercule Poirot „Mord im Orientexpress“.

Viel interessanter war dann aber mit Beginn der Lektüre die Geschichte um den Friedenswagon „Wagon de l’Armistice“. So viel politisches Kalkül und Symbolik hatte ich den Nazis gar nicht zugetraut. Doch die Geschichte ist wahr. Hitler ließ die Kapitulation in genau diesem Wagon unterzeichnen. Warum habe ich davon bisher noch nicht gelesen? Normalerweise kenne ich mich mit den Anekdoten der Geschichtsschreibung ganz gut aus. Aber auch, dass Churchill wichtige geheime Gespräche stets auf Hindi führte, war mir neu. Und genau das reizt mich an historischen Romanen: man erfährt immer etwas Neues.
Mir ist klar, dass historische Romane mir keinen Einblick in die Gedanken- und Alltagswelt der Protagonisten geben. Dennoch lese ich sie, sofern sie gut recherchiert sind, sehr gerne und entnehme ihnen auch geschichtliche Informationen oder Impulse. Die Geschichte der Romanows beispielsweise ist sehr spannend und vielschichtig, wobei es einen König von Carpathien gar nicht gab.

Die Entwicklung der Charaktere hätte ich mir indes etwas tiefer gewünscht. Weniger bedeutende Fahrgäste wären da wohl besser gewesen. Die Story um das amerikanische Ehepaar beispielsweise verläuft komplett im Sande, obwohl gerade die Rolle der USA zu diesem frühen Zeitpunkt des Krieges spannend gewesen wäre.
Dennoch empfehle ich dieses Buch jedem wärmstens, der an einer spannenden Geschichte mit historischem Hintergrund interessiert ist. Der zweite Band dieses Autors, „Der Turm der Welt“, ist schon vorgemerkt.

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2 Kommentare zu „Benjamin Monferat – Welt in Flammen

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