Der GeigerJahre nach der Trennung der Geschwister Sascha und Vika Grenko durch Adoption meldet sich die kleine Schwester wieder bei ihrem Buder. Er fährt sofort zum genannten Ort und muss dort mitansehen, wie Vika kaltblütig ermordert wird, bevor er auch nur ein Wort mit ihr wechseln kann.

In ihrem Hotelzimmer findet er Unterlagen zum Verbleib einer berühmten Stradivari seines Großvaters, nach welcher schon seine Großmutter und sein Vater gesucht haben, sowie einen alten nahezu unleserlichen Brief auf dem Etikett einer Dosensuppe. Saschas Interesse ist geweckt. Was hat es mit dieser Geige auf sich? Und musste seine Schwester ihretwegen sterben? Auf der Suche nach den Mördern seiner Schwester stößt er auf ein Familiengeheimnis, das offenbar bis heute von oberster staatlicher Stelle in Moskau unter Verschluss gehalten wird.

Saschas Großvater Ilja Grenko war zu Zeiten der Willkürherrschaft Stalins ein talentierter junger Geiger. Durch seine Reisefreudigkeit quer durch Europa geriet er jedoch in Verdacht, fliehen zu wollen und wurde aus heiterem Himmel zu zwanzig Jahren Straflager im tiefsten Sibirien verurteilt. Seine Frau Galina verbannte man mit ihren gemeinsamen zwei kleinen Kindern für zehn Jahre nach Kasachstan. Ihr erzählten sie, sie müsse die Strafe für ihren Mann antreten, der sich heimlich ins Ausland abgesetzt habe. Verzweifelt und ahnungslos vom Schicksal des jeweils anderen, kämpfen Saschas Großeltern ums nackte Überleben. Erst nach Jahren erhält Galina ein Lebenszeichen ihres Mannes; ein Brief auf einem Dosensuppenetikett aus dem Straflager geschmuggelt. Sie zerbricht fast daran, jemals an der Liebe und Loyalität ihres Mannes gezweifelt zu haben. Mit letzter Kraft will sie seinen sehnlichsten letzten Wunsch erfüllen: das Auffinden der konfiszierten Stradivari. Doch ihr bleibt der Erfolg zu Lebzeiten verwehrt. Nun ist es ihr Enkel Sascha Grenko, der sich dieser Aufgabe stellt. Und auch nach knapp 60 Jahren stößt er immer noch auf den Unwillen und Widerstand des Staates.

Fazit:
Ich habe dieses eBook schon vor einiger Zeit im Rahmen des „Kindle Deal des Monats“ erworben, da es so einen unspektakulären Titel und ein unaufgeregtes Cover hatte. Und mein Gespür für gute Bücher hat mich nicht im Stich gelassen.
„Never judge a book by its cover“ sagt Denis Scheck immer, aber dem Spruch konnte ich noch nie etwas abgewinnen. Im Gegenteil. Dies ist jedoch das erste Buch, das ich mir zwar für den Kindle gekauft habe, welches aber nach der Lektüre definitiv in mein Bücherregal gehört.

Mechtild Borrmann liefert mir mit ihrem Kriminalroman alles, was mich an einem Buch fesselt: unterschiedliche Erzählebenen (Russland 1950 und Deutschland 2008), historische Hintergründe (Russland in der Stalin-Ära, das Schicksal der Spätaussiedler), Spannung und einen ruhigen Erzählton. Dabei ist die Geschichte so realistisch, dass man sie ohne Zweifel für wahr halten könnte. Die Charaktere sind auf den wenigen Seiten (I like big books!) vielschichtig entwickelt und man fühlt und leidet mit ihnen. Mit Ilja Grenko, dem naiven jungen Künstler, der sich plötzlich im Gulag wiederfindet und einfach nicht glauben kann, was mit ihm geschieht. Mit Galina Grenko, seiner Frau, die mit ihren beiden Kindern plötzlich auf sich gestellt ist und in der Verbannung beginnt, an ihrem Mann zu zweifeln. Und schließlich mit Sascha Grenko, der Spätaussiedler, der früh seine Eltern verlor, von seiner Schwester getrennt wurde, ganz alleine in einem fremden Land klarkommen musste und dem nun eine ganz andere Familiengeschichte präsentiert wird.

Das Schicksal  dieser Familie ist so hart, dass ich es beim Lesen kaum ertragen konnte und mich ernsthaft nach einem Happy End sehnte. Ein guter Roman gibt diesem Wunsch aber nicht nach.
Ich werde mir auf jeden Fall die anderen bisher erschienenen Krimis dieser Autorin holen und mich noch etwas näher mit der Geschichte Russlands beschäftigen. Gute Bücher geben nämlich solche Impulse.

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Ein Kommentar zu „Mechtild Borrmann – Der Geiger

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