978-3-87134-825-9Dennis Gastmann ist wieder unterwegs die Welt zu erkunden. Diesmal hat er keine Fragen der Zuschauer im Gepäck (siehe „Mit 80.000 Fragen um die Welt“), sondern ein Potpourri blinder Flecken auf der Tourismuskarte. Und so lernt man z.B. Pitcairn Island kennen, mäßig bekannt als Zufluchtsort der Meuterer der Bounty mitten in der Südsee und gar nicht mehr so paradiesisch, wie man es sich gerne vorstellt.

Oder Karakalpakistan, das ehemals am Aralsee gelegen war. Da dieser allerdings still und leise und von der Welt kaum bemerkt, im Sand versickert, wurde aus dem Fischereistaat ein Wüstenstaat. Inklusive verrostender Schiffe, die Mahnwache im Wüstensand halten und auf eine Rückkehr des Sees warten.

Man trifft auf so fantastische und doch von der Weltgemeinschaft nicht anerkannte Staaten wie Ladonien und Seborga einerseits und so vermeintlich trostlose aber anerkannte Staaten wie Palästina andererseits. Zugegeben, im Fokus dieses Kapitels stand nicht Palästina sondern Akhzivland, aber ersteres nimmt wesentlich mehr Raum ein. Akhzivland selbst ist umrankt von einem Mythos zum Verlieben (selber lesen, verrate ich nicht!), jedoch gelegen in einem der explosivsten Krisenherde der Welt: Nahost.

Da erfährt man von so unterschiedlichen Ländern wie auf der einen Seite Transnistrien, das im Kalten Krieg stecken geblieben zu sein scheint, wo der KGB noch KGB heißt. Auf der anderen Seite Palau, ein Insel- und Taucherparadies in der Hand rücksichtsloser chinesischer Touristen, die Quallen im Wasserkocher garen.  Es ist eben eine Reise zu den unentdeckten Ländern in ihren zahlreichen Facetten.

Fazit:
Ich habe das Buch bei einer Leserunde auf lovelybooks.de gewonnen. Mitgemacht habe ich, weil mir sein erstes Buch „Mit 80.000 Fragen um die Welt“ überraschend gut gefallen hat. Und prompt trifft mich das Losglück.

Das Buch startet holprig. Die ersten Kapitel über die Südsee sind unstrukturiert und chaotisch. Doch hat man sich erstmal daran gewöhnt, dass hier keine chronologische Reise beschrieben wird, wird es zu einem Lesevergnügen. In einige Länder verliebt man sich direkt, andere dagegen machen plötzlich Angst, auch wenn man sie vorher gar nicht kannte.

Unterhaltungsautoren, die brisante politische Themen wie zum Beispiel den Nahost-Konflikt mit ihrem Halbwissen oder ihrer sehr wenig reflektierten Meinung aufgreifen sind mir zuwider. Daher hatte ich ein wenig Angst vor dem Kapitel Akhzivland, hier hätte meine bisher positive Stimmung zum Buch mit einem falschen Satz kippen können. Doch Gastmann hat es geschafft, die Fallstellen zu umgehen und zeigt vielmehr ein durchaus sympathisches Palästina. Man meint gar nicht, dass die Bewohner auch einen Alltag kennen. Statt mir seine Meinung aufzudrängen, zeigt mir der Autor wie eindimensional meine eigene ist.

In Transnistrien stationieren die Russen 1.500 Soldaten. Russland? Soldaten in Transnistrien? Warum? Transnistrien ist kein souveräner Staat, sie befindet sich innerhalb der Landesgrenzen Moldawiens und ist eine autonom agierende Region. Gerüchten zufolge unterhalten die Russen dort ein enormes Waffenlager. Da Transnistrien im Osten an die Ukraine grenzt, ist dies Gerücht jedoch nicht unbedeutend. Die dort stationierten russischen Soldaten könnten schnell eine Bedrohung sowohl für die Ukraine als auch für Moldawien werden, zumal Transnistrien bereits einen Beitrittsantrag zur Russischen Föderation gestellt hat.

Dennis Gastmann zeigt uns in seinem Buch einige blinde Flecken und lädt dabei in jedem Kapitel entweder zum Träumen oder zum Grübeln ein. Leseempfehlung!

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