Tatort: Großraum Tegernsee
Ermittler: Kommissar Wallner und Polizeiobermeister Kreuthner

Nach einer durchzechten Nacht zieht es Polizeiobermeister Kreuthner auf den Spitzingsee, um die Bahn für das anstehende Eisstockturnier vom Schnee zu befreien.  Unter dem Eis macht er eine grausige Entdeckung: Im See treibt die Leiche eines 15-Jährigen Mädchens, in ein goldenes Brokatkleid gekleidet.

Bei der Untersuchung der Leiche finden die Gerichtsmediziner eine seltsame Plakette in deren Mund, mit einem nicht erkennbaren Bild und der Zahl „1“. Kommissar Wallner, der die Ermittlungen leitet, betet, dass es sich nicht um das erste Opfer einer beginnenden Serie handelt. Doch schneller als erwartet wird die nächste Leiche aufgefunden. Ebenfalls ein junges Mädchen, in ein goldenes Brokatkleid gehüllt und mit einer seltsamen Plakette im Mund. Und es wird nicht die letzte Leiche sein…

Wallner ermittelt fieberhaft mit seinem Team, wobei ihn seine Untersuchungen bis nach Dortmund führen. Die zentrale Frage lautet: Was verbindet die Opfer miteinander? Polizeiobermeister Kreuthner ist Wallner dabei immer wieder durch seinen untrüglichen Instinkt eine große aber eher ungewollte Hilfe. Werden sie den Täter finden bevor ein weiterer Teenager sterben muss?

Fazit:
Bereits das erste Kapitels dieses Krimis beginnt mit einem Cliffhanger. Normalerweise ein schlechtes Zeichen, da der Spannungsbogen selten über diese Seitenzahl auf dem Niveau gehalten werden kann. Doch Andreas Föhr schafft dies nahezu mühelos. Mit jedem Kapitel füttert er den Leser mit einem weiteren kleinen Stück des Puzzles. Selbst die Tatsache, dass der Mörder schon ziemlich früh feststeht, tut der Spannung keinen Abbruch. Fieberhaft sucht der Leser zusammen mit Kommissar Wallner nach der Verbindung zwischen den Opfern. Häppchenweise kommt man der Lösung näher.

Ganz besonders hat mir an dem Krimi gefallen, dass dieser aus zwei Perspektiven erzählt wird. Zum einen aus der Sicht Wallners, dann wieder aus Sicht des Täters. So ist der Leser dem Ermittler gegenüber im Grunde besser informiert und doch keinen Schritt näher. Dieser Perspektivenwechsel gefiel mir bereits in dem Krimi „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel, einer der Maßstäbe, an dem ich alle weiteren deutschen Krimis messe. Und „Der Prinzessinnenmörder“ hält diesem stand, meistert den Vergleich sogar spielend.
Warum nur deutsche Krimis? Weil die Atmosphäre, diese Gesellschaft, die Schenkel in ihrem Krimi beschreibt, mir so erschreckend bekannt vorkommt, dass ich sie nur in Deutschland verorten kann. Schwedische, britische und amerikanische Krimis haben allein durch ihre andere unbekanntere Geographie eine ganz andere Atmosphäre.

Des Weiteren gefällt mir an dem ersten Band der Wallner-Reihe, dass es sich um einen regional verorteten Krimi handelt, ohne ein Regionalkrimi zu sein. Da ziehe ich meine ganz eigene Grenze, unabhängig vielleicht von der allgemeinen Lesart. Ein Regionalkrimi spielt in einer festgelegten Gegend. Dabei steht besonders deren Brauchtum, Dialekt, Geographie im Mittelpunkt. Häufig handelt es sich um eine ländliche Umgebung, wo überlicherweise wenig Kapitalverbrechen geschehen. Der Ermittler ist daher in der Regel von den Geschehnissen überfordert (Kluftinger), gerät einfach hinein (Raisin) oder löst den Fall zufällig (Düsedieker). Der Fokus liegt auf dem Privatleben des Ermittlers, der Leser lernt seine Lebensumstände, Freunde, Familie kennen. Der Fall ist dagegen Nebensache. Das führt zu einer detaillierten vielschichtigen Analyse der Lebensumstände des Ermittlers.
Föhr dagegen zeichnet ein Psychogramm des Mörders. So kann sich der Leser in dessen Motiv und Lebensumstände hineinversetzen und entwickelt unter Umständen sogar Sympathie und Verständnis, was ihn moralisch in ein Dilemma führt. Das macht für mich den Unterschied.

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Ein Kommentar zu „Andreas Föhr – Der Prinzessinnenmörder

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