Sylvia Beach beschreibt in ihrem Buch „Shakespeare and Company“ ihre Zeit als Buchhändlerin im Paris der Zwanziger und Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts.

1919 eröffnete sie in Paris eine Buchhandlung und Leihbücherei für englischsprachige Literatur. Rasch nach Eröffnung ging die Kunst- und Kulturszene in ihrem kleinen Laden ein und aus. Es wurden Lesungen gehalten, kleine Literaturzeitschriften verlegt, es kamen Schriftsteller, Musiker, Schauspieler, Regisseure etc. Zu ihren Kunden und Freunden gehörten Ezra Pound, André Gide, Thorntn Wilder, T. S.Eliot, Gertrude Stein, Ernest Hemingway und viele mehr.

Doch berühmt wurde Sylvia Beach als erste Herausgeberin des umstrittenen Werks „Ulysses“ des irischen Schriftstellers James Joyce. In England geächtet, in den USA verboten, brachte Beach den Mut auf, das Buch selbst zu veröffentlichen. Gegen alle Widerstände und mit wenig Aussicht auf Erfolg suchte sie mühselig eine Druckerei, sammelte Geld von ihren Kunden und zukünftigen Lesern ein, um den Druck bezahlen zu können. Nebenbei kämpfte sie noch mit dem schwierigen Autor und seinen ständigen kurzfristigen Änderungswünschen, welche die Kosten nicht gerade senkten.

Am 02. Februar 1922 war das Unmögliche möglich gemacht. Das erste Exemplar von „Ulysses“ erhielt der Autor selbst zum Geburtstag, das zweite ging an die mutige Verlegerin und ihren Laden „Shakespeare and Company“. Bis heute wird James Joyce mit seiner Erzählung eines einzigen Tages in Dublin auf jeder Liste erwähnt, wenn es um Jahrhundertwerke und Must Reads geht.

Passend dazu habe ich folgenden Tweet entdeckt:

 

Fazit

Sylvia Beach überzeugt nicht gerade durch ihre sprachliche Gewandheit. Die ist eher schlicht und unprätentiös. Doch was sie zu erzählen hat ist absolut mitreißend. Für ein Vierteljahrhundert ist ihre kleine amerikanische Buchhandlung Dreh- und Angelpunkt der Pariser Kunstszene, Treffpunkt des Who is Who der französischen, englischen und amerikanischen Literatur.

Erst durch dieses Buch habe ich von der Pariser Periode der amerikanischen Literaturgeschichte erfahren. Nun will ich mehr wissen, endlich Hemingway, Eliot und Co lesen.

Doch besonders der Werdegang des „Ulysses“ hat mein Interesse geweckt. Bisher kannte ich ihn nur als wohl ungelesensten, da sperrigen Klassiker. Haben und ins Regal stellen ja, aber auch lesen? Hörte sich nicht nach einem Vergnügen an. Nun bin ich aber ganz gespannt, was dieses Buch wohl an sich haben könnte, dass gleich zwei Staaten den Verkauf untersagten und die Herausgabe nur durch ein wahrscheinlich erstes Crowdfunding der Geschichte möglich war. Ich werde es erfahren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s