Das letzte Vierteljahr war nicht gerade von guter Lektüre geprägt. Ein enttäuschender Krimi reihte sich an den anderen. Das führte bei mir zu immer weniger Lust am Lesen. Das verlorene Symbol“ war eine Qual von 750 Seiten über zwei Monate. Lauras letzte Party“ verärgerte mich durch die fehlende Logik. Im Anschluss begann ich ca. acht neue Bücher auf der Suche nach dem Einen, das mich wieder fesselt, mich endlich wieder in eine andere Welt holt. Vergebens…

So nahm ich resigniert das Buch von Christiane Zschirnt in die Hand. Schon das Cover ließ mich stutzen. Es sieht doch SchwanitzBildung“ verblüffend ähnlich. Wieder so ein Buch, dass auf eine Erfolgswelle steigt und darauf ein wenig mitreitet? Und dann dieser Titel „Bücher: Alles was man lesen muss“. Schon wieder diese Parallele zu SchwanitzBildung: Alles was man wissen muss„. Wer will mir hier denn so unverblümt vorschreiben, was ich zu lesen habe? Andererseits konnte es schlimmer nicht mehr kommen und das Buch ist nur geliehen. So fing ich widerwillig mit der Lektüre an – und legte es die nächsten drei Tage nur noch selten aus der Hand. Zschirnt schreibt nämlich nicht vor, was man lesen sollte; sie schwärmt vor. Sie wandelt voller Leselust durch die verschiedenen Kategorien und stellt dem hungrigen Leser einige der bedeutendsten Werke der Weltliteratur vor. Sie erklärt kurz den Inhalt des Buchs und ordnet es anschließend in den historischen Kontext ein. Dabei trifft man auf Wohlbekannte, Verhasste, SuB-Leichen aber immer wieder auch auf Neuentdeckungen:

  • Ulysses„? Ein Buch, das die ganze Welt beschreibt anhand nur eines Tages. Kompliziert? Sperrig? Ja – aber auch einfach nur lesenswert.
  • Stolz und Vorurteil“ – von einer Frau im Wohnzimmer geschrieben, neben all den alltäglichen Ablenkungen.
  • Shakespeare? Auf seinen Dramen, Komödien und Tragödien basieren bis heute eine Vielzahl der Hollywood-Verfilmungen.

Liebe, Politik, Sex, Wirtschaft, Frauen, Zivilisation, Psyche, Moderne, Trivialklassiker, Kultbücher, Utopie, Kinder. Zu all diesen Kategorien stellt Christiane Zschirnt eine Reihe von Werken vor, die uns genau diese Themen näher bringen. Dabei wirkt sie niemals mahnend oder belehrend. Zu einigen Büchern gibt sie offen zu, dass eine Lektüre in der heutigen Zeit nahezu unmöglich ist.  Doch für die meisten Bücher weckt sie die Leselust. Das macht meine Leseliste nicht unbedingt kürzer, aber bestimmt interessanter. Dabei reizt mich gerade ihre historische Einordnung der Lektüre, die ihren Inhalt um einiges verständlicher macht. Wer hat die Schulklassiker nicht gehasst? „Nathan der Weise„, „Wilhelm Tell„, „Die Leiden des jungen Werther„… Mit der historischen Einordnung erhalten sie plötzlich einen ganz anderen, neuenTenor.

RousseausEmile“ – unerträglicher Erziehungsratgeber. Doch, wenn man bedenkt, dass die Kindheit erst seit diesem Buch als schützenswert galt und Kinder nicht mehr nur als billige Arbeitskräfte angesehen wurden, die ihr achtes Lebensjahr eh nicht erreichen, bekommt es eine ganz andere Bedeutung.
MarxDas Kapital“ – eine Abhandlung über den mittlerweile längst überholten Kommunismus erhält im historischen Kontext eine ganz andere Relevanz.
So bekommt man direkt Lust, sich intensiv mit den politischen und ökonomischen Theorien zu beschäftigen, sich gleichzeitig in die Biografie der Autoren einzulesen und nebenbei noch die großen Romane dieser Zeit zu lesen.

Fazit
Christiane Zschirnt hat es geschafft. Sie hat mir wieder Lust aufs Lesen gemacht. Auch wenn mir einige Kategorien, Autoren und Bücher fehlen. Zum Beispiel ‚Fantasy‘ oder ‚Philosophie‘. Wo ist J.R.R TolkiensHerr der Ringe“ oder George R.R. MartinsDas Lied von Eis und Feuer„? Wo bleiben die großen Philosophen Thales, Sophokles, Schopenhauer? Was ist mit den großen deutschen Autoren der Nachkriegszeit wie Günter Grass, Siegfried Lenz, Christa Wolf…? Die größte Lücke allerdings besteht meines Erachtens nach in der Kategorie ‚Kinder‘.

Meine Kindheit war durch Bücher geprägt, durch Geschichten. Das Alte Testament und die Märchen der Gebrüder Grimm konnte ich auswendig, ebenso natürlich die zahlreichen Pixi-Bücher. Etwas später kamen die Geschichten von Astrid Lindgren und Michael Ende hinzu. Was wäre meine Kindheit ohne Momo, Jim Knopf, Michel, Madita und Pippi gewesen. Ebenfalls hätten Roald DahlsJames und der Riesenpfirsich„, Kenneth GrahamesDer Wind in den Weiden„, Johanna SpyrisHeidi“ oder Ottfried PreußlersDer kleine Wassermann“ nicht fehlen dürfen. Geschweige denn der Bär von geringem Verstand „Pu der Bär“ von A. A. Milne.

All diese Lücken zeigen indes, wie reich die Vielfalt an guten Büchern ist. So stürze ich mich wieder voller Lesehunger in den Ozean der Bücher!

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Ein Kommentar zu „Christiane Zschirnt – Bücher: Alles, was man lesen muss

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