Der Fall ColliniFabrizio Collini, 67 Jahre alt, in den 60er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und 34 Jahre lang bei Mercedes Benz beschäftigt gewesen, erschießt in einem Berliner Luxushotel den wohlhabenden deutschen Industriellen Hans Meyer, 85 Jahre alt. Nie hat sich der Täter zuvor etwas zu Schulden kommen lassen. Was hat ihn daher zu dieser brutalen Tat veranlasst?Der junge Anwalt Caspar Leinen übernimmt die Pflichtverteidigung und realisiert erst später, um wen es sich bei dem Opfer handelt: der Großvater seines besten Freundes, in dessen Haus er praktisch aufgewachsen ist.
Umso verbissener versucht Leinen hinter das Motiv der Tat zu kommen. Doch Collini schweigt.
So ermittelt der Pflichtverteidiger schließlich auf eigene Faust und wird letztendlich fündig.

Fazit:

Hinter das Motiv des Täters zu kommen war, aufgrund des Alters beider Protagonisten, jetzt nicht wirklich schwer. Das Opfer, 85 Jahre alt, wohlhabender Deutscher und der Täter, 67 Jahre alt, unbescholtener italienischer Gastarbeiter. Das lässt doch nur eine Vermutung offen: Vergeltung für ein erfahrenes Unrecht während der NS-Zeit. Und so ist es auch.
Das zentrale Thema des Buchs ist auch gar nicht die Suche nach dem Motiv. Daher ist mit dessen Enthüllung auch keine Spannung genommen. Im Grunde ist dieses schmale Buch eine Lektion in Sachen Rechtsgeschichte. Wer war in der NS-Zeit ein „Täter“? Derjenige, der die grausamen Befehle ausgeführt hat oder nur derjenige, der sie erteilt hat? Wann verjährt Schuld? Kann etwas, das damals Recht war, heute als Unrecht verurteilt werden? Und wie viele Verbrechen wurden durch Justiz und Gesetzgebung vertuscht bzw. aufgrund von Gesetzesänderungen nicht weiter verfolgt?

Das sind die wichtigen Fragen des Buchs, die mich bestimmt noch einige Zeit begleiten werden. Eduard Dreher und die Rolle der Justiz nach dem 2. Weltkrieg werde ich auf jeden Fall noch genauer verfolgen.

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