Vor einer Woche habe ich begonnen, meine historischen Wissenslücken nach und nach zu schließen. Ich startete mit dem Buch „Die Schlafwandler“ von Christopher Clark. Dieses Buch behandelt die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs. Es ist unterteilt in drei Teile und zwölf Kapitel.

Der Autor beginnt sein erstes Kaptiel des ersten Teils in Serbien mit dem Königsmord 1903 und dem anschließenden Dynastiewechsel. Das Land, geprägt durch eine christliche Kleinbauerngesellschaft, liegt geographisch in einer unglücklichen Lage zwischen den Großmächten Osmanisches Reich und Österreich-Ungarn. Nach der Auslöschung der Dynastie Obrenovic und der Ernennung Peter Karadjordjevic zum neuen König, kommt es zu zwei verschiedenen Lagern in der serbischen Regierung. Auf der einen Seite steht eine Gruppe um die ehemaligen Verschwörer des Königsmords, die mit aller Gewalt ein vereinigtes Großserbien herbeiführen will. Auf der anderen Seite stehen die Radikalen der Regierung, die das selbe Ziel verfolgen, dabei aber wesentlich diplomatischer vorgehen wollen, da sie genau wissen, dass ein Krieg Serbiens gegen die Habsburger nicht gut ausgehen würde.

Doch als 1908 Österreich-Ungarn die Provinzen Bosnien und Herzegowina annektiert, entfacht dies den geballten Zorn der Serben. Erneut entstehen enorme Spannungen zwischen der Regierung und dem Militär, welches von den Königsmördern beherrscht wird. Serbien fordert die Rücknahme der Annexion, da sich in den Gebieten angeblich sehr viele Serben befinden, scheut jedoch eine offene Auseinandersetzung, da Unterstützungsbekundungen Russlands und Frankreichs ausbleiben. Ein weiteres Mal muss Serbien vor den Großmächten zurückrudern.

Diese Diskrepanz zwischen dem aggressiven Nationalismus der überwiegend bäuerlichen, ungebildeten Gesellschaft und der gemilderten Regierung, führen zu enormen politischen und gesellschaftlichen Spannungen in Serbien. Geheimbünde werden gegründet, darunter die „Schwarze Hand“, die bei den Schüssen in Sarajevo noch eine gewichtige Rolle spielen wird. Milizen und Partisanenverbände entstehen, die im Untergrund für ein vereinigtes Serbien kämpfen. Übrigens ein vereintes Serbien, was es rein ethnisch auf dem multiethnischen Balkan gar nicht geben kann. Der Anschlag von Sarajevo erfolgte also in einer Zeit höchster innenpolitischer Spannungen in Serbien.

Status: S. 78 von 770; Kapitel 1 von 12

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