tiefe_Wunden_Cover

Ein 92jähriger Überlebender des Holocaust wird erschossen in seiner Wohnung aufgefunden. Der Mörder hat nur eine rätselhafte Zahl in den Blutspritzern des Opfers hinterlassen: „16145“. Ein weiteres Rätsel gibt die bei der Obduktion gefundene, kaum noch erkennbare Blutgruppentätowierung auf. Dieses war im Dritten Reich ein eindeutiges Kennzeichen der SS. Wie kommt ein ziemlich prominenter Jude zu dieser Tätowierung? Ein weiterer alter Herr wird hingerichtet. Auch bei ihm, der sich immer von den Nationalsozialisten distanziert hat, wird die aussagekräftige Tätowierung gefunden. Und auch an diesem Tatort taucht die ominöse Zahl auf. Die Untersuchung beider Mordfälle führt die Kommissare Bodenstein und Kirchhoff immer wieder zu Vera Kaltensee, einer hochangesehenen älteren Dame der High Society Frankfurts.

Als der dritte Mord geschieht, diesmal an einer alten Freundin Kaltensees, ist klar: Irgendein dunkles Geheimnis verbindet die drei Personen und der Schlüssel ist Vera Kaltensee. Doch die Ermittlungen werden immer wieder von der Geheimniskrämerei der Familie Kaltensee behindert und führen Bodenstein und Kirchhoff doch letztendlich bis nach Ostpreußen in das heutige Doba. Dort hat die Geschichte um die vier Freunde begonnen und dort endet sie in einem spannenden Showdown.

Fazit (Achtung mit Spoiler!):

Ich habe das Buch in wenigen Tagen verschlungen. Nele Neuhaus hat es in ihrem Lieblingsbuch geschafft, den Spannungsbogen von der ersten Seite an nicht mehr einknicken zu lassen.

Doch obwohl es wirklich spannend war und sich immer wieder neue Aspekte auftaten, ist die Aufklärung am Ende doch wenig glaubwürdig. Warum?

1. Ein SS-Mann der Leibstandarte Adolf Hitlers lebt über sechzig Jahre unerkannt unter falschem Namen und als Jude in Amerika und später in Deutschland. Doch nur eine Googleseite später ist die wahre Identität enttarnt.

2. Eine prominente Frau der Frankfurter High Society lebt jahrelang mit einer falschen Identität. Auch hier ist die Wahrheit nur wenige Mausklicks entfernt. Bei unauffällig lebenden Personen kann das ja möglich sein. Doch die Biographie bekannter Personen wird doch ständig ausgegraben und wenn es nur vom Boulevard ist.

3. Eine ehemalige KZ-Aufseherin und spätere Stasi-Spionin lebt jahrelang unter falschem Namen in Frankfurt. Doch ihr Wohnungsnachbar kennt sie schon aus Ostpreußen und weiß über alles Bescheid. Frankfurt scheint ein Alterssitz für ehemalige Nazis, Stasi-Spione und Flüchtlinge aus Ostpreußen zu sein. Wobei jedoch jeder jeden kennt…

Die Story ist super und wenn man mal bedenkt, wie präsent das Thema aufgrund des aktuellen Prozesses gegen den SS-Mann Oskar Gröning ist, gar nicht so unglaubwürdig. Doch die Art und Weise der Aufklärung, ein bisschen Googlesuche, zufällig auftauchende alte Bekannte der Opfer, Recherche in Polen, wo nach 60 Jahren immer noch alles so aussieht, als wäre es gerade erst verlassen worden etc., haben mich doch sehr gestört.

Dennoch hat mich das Buch wieder auf die Geschichte der Täter nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, sowie der Vertriebenen aus Ostpreußen aufmerksam gemacht. Ein Kapitel der Geschichte, dem ich bisher wenig Beachtung geschenkt habe. Es wird Zeit dafür. Und Masuren möchte ich nun auch gerne bereisen.

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Ein Kommentar zu „Nele Neuhaus – Tiefe Wunden

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