„Von allen Erinnerungen, von all den unzähligen Empfindungen meines Lebens war die bedrückendste die Erinnerung an den einzigen Mord, den ich begangen habe.

das_phantom_des_alexander_wolfDiesen beging der Erzähler, ein ehemaliger Weißgardist im russischen Bürgerkrieg. Nie hat ihn diese Erinnerung an das Zusammentreffen mit dem Feind mit dem tragischen Ende losgelassen. Jetzt, Jahre später im Pariser Exil, liest er in einem Erzählband genau diese Episode seines Lebens im Detail. Wie kann das sein? Es gab damals keine Zeugen des Vorfalls. Die Geschichte kann nur vom vermeintlich Ermordeten stammen.

Mit allen Mitteln versucht er den Autor der Geschichte zu kontaktieren. Doch er stößt nur auf irritierendes Schweigen. Ein Treffen bleibt ihm versagt. Stattdessen trifft er bei einem Boxkampf, über welchen er als Journalist berichtet, auf die Russin Jelena und verliebt sich in sie.

Eines Tages erzählt sie ihm von ihrem ehemaligen Geliebten, den sie aufgrund seiner zerstörerischen Lebenseinstellung verlassen hat. Der Geliebte war aufgrund eigener Erlebnisse der Auffassung, der Sinn des Lebens sei der Tod, denn auf diesen steuert das Leben unweigerlich zu. Die Liebe dagegen ist nur ein kläglicher Versuch, sein Schicksal aufzuhalten, eine kurze Episode der Unsterblichkeit. Jelena verließ ihn, trotz seiner Drohung, er werde ihren Weggang nicht zulassen. Und plötzlich wird seine Warnung durch Zufall real…

Fazit

Eine Zusammenfassung der Geschichte zu geben gestaltet sich als schwierig, da im Mittelpunkt des Buchs nicht die Geschichte, sondern die Sprache steht. Die Sprache, die die Gefühlskälte der verlorenen Generation beschreibt. Einer Generation, die durch das Erleben von Kampf und Zerstörung im Ersten Welkrieg und dem russischen Bürgerkrieg ihre innere Harmonie verloren hat. Der Tod ist allgegenwärtig und der Gedanke daran überschattet das ganze Leben. Eine düstere dennoch absolut zu empfehlende Lektüre.

Geschrieben wurde dieser Roman bereits während des Zweiten Weltkriegs von Gaito Gasdanow, neben Nabokov einer der wichtigsten russischen Exilautoren, welcher leider nahezu vergessen wurde. Er nahm am russischen Bürgerkrieg teil und gelangte anschließend ins Exil nach Paris. Zeit seines Lebens war ihm eine Rückkehr in seine Heimat verwehrt. Mittlerweile ist Gasdanow aber auch in Russland beliebt. Zu seiner Zeit bekannt unter den Exilrussen wurde er mit dem Roman „Ein Abend bei Claire“, ebenfalls auf deutsch im Hanser Verlag erhältlich. Am 01.06.2015 wird die Taschenbuchausgabe von dtv veröffentlicht. Ist schon auf meiner Wunschliste vermerkt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s