Im ZDF lief vor Kurzem die Miniserie „Schuld“ nach dem gleichnamigen Buch von Ferdinand von Schirach. Darin spielt Moritz Bleibtreu den Strafverteidiger Friedrich Kronberg. Vor einigen Jahren habe ich bereits das Buch gelesen und es gefiel mir mäßig. Dieser nüchterne, emotionslose Ton, mit dem von Schirach die realen Kriminalfälle erzählt, empfand ich als zu distanziert. Das Buch hinterließ keine offenen Fragen, keine Grübeleien, keinen bleibenden Eindruck.

Anders ist es bei der Serie. Die einzelnen Folgen sind sehr zurückhaltend erzählt. Der Fokus liegt dabei auf den Bildern und nicht auf den Dialogen. Nicht die Gerichtsverhandlung oder die Ermittlungen stehen im Vordergrund, sondern der Blick auf die Täter. Wie kam es zu der Tat? Wie wird ein normaler Bürger zu einem Täter? Ist Schuld gleich Schuld?

Nahezu jede Folge lässt den Zuschauer grübelnd zurück. Eine jahrelang misshandelte Ehefrau erschlägt ihren gewalttätigen Ehemann im Schlaf. Geschah dies wirklich aus Heimtücke oder handelte es sich um Notwehr? Eine Gruppe Musiker vergewaltigt ein junges Mädchen. Ist es gerecht, dass keiner von ihnen verurteilt wird, weil nicht nachgewiesen werden kann, wer der eine Nichttäter war? Jahre nach einem Mord wird ein Ehepaar überführt. Soll eine intakte Familie zerstört werden, um Recht zu sprechen?

Im Zentrum der Serie steht mal nicht die exakte Einteilung der Protagonisten in Gut und Böse, sondern die Frage „Was ist Schuld?“. Und die kann man im Anschluss gar nicht mehr so leicht beantworten.

 

Wer jedoch die Lektüre dem TV vorzieht, dem sei statt der Romane von Schirachs sein kleines Bändchen „Die Würde ist antastbar“ ans Herz gelegt. Eine Sammlung seiner Essays aus dem „Spiegel“, in denen er sich mit eben diesen großen moralischen Fragen kontrovers beschäftigt.

„Die Schuld eines Menschen ist schwer zu wiegen. Wir streben unser ganzes Leben lang nach Glück. Aber manchmal verlieren wir uns und die Dinge gehen schief. Dann trennt uns nur noch das Recht vom Chaos. Eine dünne Schicht aus Eis, darunter ist es kalt und man stirbt schnell.“

Aktualisierung vom 04.04.2015:

Heute Morgen auf Twitter entdeckt. Wir können uns auf weitere Folgen freuen!

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