Mit Blick aufs MeerCrosby, ein kleines Küstenstädtchen in Maine. Wie in den meisten kleinen Städtchen ist auch hier nicht viel los. Doch wenn man mal ganz genau hinschaut, sieht man, dass Crosby eigentlich die ganze Welt ist. Voll Trauer, Liebe, Hass, Angst, Sehnsucht, Geheimnissen, Schweigen, Reue, Betrug, Verzweiflung…

Jedes Kapitel handelt von einer anderen Familie, einem anderen älteren oder jüngeren Paar. Da ist Kevin, der Jahre nach dem Selbstmord seiner Mutter wieder in das Haus seiner Kindheit zurückkehrt. Da ist Angela O’Meara, die Barpianistin, die seit Jahrzehnten eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat. Da sind Harmon und Bonnie, die seit vielen Jahren verheiratet sind und doch aneinander vorbei leben. Oder Bob und Jane, die sich auf ihren gemeinsamen Lebensabend freuen, der durch einen Nebensatz so jäh zerstört wird. Und da sind immer wieder der gutmütige Henry und seine kratzbürstige Frau Olive, bei denen jeder rätselt, warum er sie nicht schon vor Jahren verlassen hat. Der stoisch ihre Stimmungsschwankungen, ihre aufbrausende, aggressive Art erträgt. Deren gemeinsames Leben ein so abruptes tragisches Ende nimmt. Ihres Ruhepols beraubt, beginnt Olive ihren Alltag neu zu strukturieren und über ihr vergangenes Leben nachzudenken und kommt zu überraschenden Einsichten. Doch leider zu spät.

Fazit:

Ein so anrührendes, warmherziges Buch über Liebe, Alltag, Gewohnheit, Verdruss, Einsamkeit etc., weil es von den langweiligen Alltagsdingen erzählt, die eigentlich nicht der Rede wert sind. Der Pulitzerpreis ist verdient. Das schönste Buch dieses Sommers.

…dass Liebe nicht leichtsinnig abgewiesen werden durfte, als wäre sie ein Törtchen auf einem Teller voller Süßigkeiten,
der immer wieder herumgereicht wird. Nein, wenn Liebe zu haben war, dann griff man entweder zu, oder man griff nicht zu.
Und ihr Teller war randvoll gewesen von der Güte Henrys, aber sie hatte darüber die Nase gerümpft, hatte immer wieder
entnervt ganze Brocken weggeworfen, alles nur, weil sie nicht begriff, was eigentlich jeder Mensch begreifen sollte:
dass so Tag um Tag unter den Fingern zerrann.

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2 Kommentare zu „Elizabeth Strout – Mit Blick aufs Meer

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